
Die Nominalphrasenflexion lässt im gegenwärtigen Sprachgebrauch eine Variation erkennen, die von den Grammatiken z.T. unbemerkt geblieben ist. So treten im Standarddeutschen der Gegenwart in verschiedenen Bereichen der Nominalphrasenflexion zwei grammatische Varianten nebeneinander auf, die sich allein in ihrer Flexion unterscheiden. Dabei betrifft die Variation alle drei Komponenten der Nominalphrase: das Adjektiv (Bsp. 1), das Artikelwort (Bsp. 2) und das Substantiv (Bsp. 3):
(1)
(a) nach altem christlichem Brauch
(b) nach altem christlichen Brauch
(2)
(a) die Limousine kommt im Herbst dieses Jahres
(b) Ende diesen Jahres soll dort die Fertigung beginnen
(3)
(a) Wir haben trotz der Steuerausfälle unseren Kernhaushalt ... hingekriegt
(b) Gebrselassie war trotz Problemen an der Achillessehne angetreten
In dem Seminar soll zum
einen das Ausmaß der Variation bzw. die Häufigkeitsverteilung
der Varianten anhand von Korpusbelegen untersucht werden. Zum anderen soll
die beobachtete Variation u.a. vor dem Hintergrund der folgenden Fragestellungen
näher beleuchtet und diskutiert werden:
1) Lassen sich Faktoren bzw. Prinzipien identifizieren, die diese Variation
motivieren?
2) Inwiefern kann die beobachtete Variation als Ausdruck eines sich gerade
vollziehenden Sprachwandels gedeutet werden?
Die Voraussetzungen für den Erwerb eines Leistungsnachweises werden in der ersten Seminarsitzung bekannt gegeben.